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Partner Pferd?
Niemand sieht in seinem Pferd einen Gegner, gegen den man sich durchsetzen müsste. Obwohl – manchmal muss auch das sein. Aber eigentlich möchten wir ja nichts anderes, als dass es unserem Pferd gut geht. Wir füttern es mit allen möglichen Müslis, decken es ein wenn wir meinen es könnte frieren, machen uns Gedanken über die beste Hufbearbeitung und seine Gesundheit, sorgen für möglichst gute Haltungsbedingungen, und manchmal nehmen wir sogar Reitunterricht. Dafür erwarten wir allerdings, dass ein Pferd auch mal für uns etwas tut. Zum Beispiel ein wenig Gehorsam zeigt. Sind Mensch und Pferd also Partner?
Was versteht man eigentlich unter Partnerschaft? Partner sind „Personen oder Institutionen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen“ - und die eine gewissen Gleichwertigkeit in ihrer Beziehung auszeichnet. Hat mein Pferd das gleiche Ziel wie ich? Welche Ziele hat ein Pferd überhaupt?

Um es ganz einfach zu sagen: Ein Pferd hat nur ein einziges Ziel, und das ist der Erhalt aller Ressourcen, die es zum Überleben braucht. Ressourcen sind Futter und Wasser, körperliche Unversehrtheit, die Sozialpartner sowie die Fortpflanzungspartner. Es will seinen Zustand optimieren – bzw. so optimal wie möglich erhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Es ist dabei auf unsere Hilfe angewiesen. Denn wir sorgen für das Pferd –nicht das Pferd für uns. Wir bestimmen ob und wann wir arbeiten oder spazieren gehen – nicht das Pferd. Wir sperren es abends in eine Box – nicht das Pferd uns. Kann man Partner kaufen und verkaufen? Die Beziehung von Pferd und Mensch ist alles andere als gleichwertig. Sollen wir so tun als wäre das gar nicht so?

Ein Pferd will seinen Zustand optimieren. Zum Beispiel, indem es möglichst viel Zeit auf der Koppel beim Fressen verbringt. Ist das auch mein Ziel? Sieht mein Pferd sein Ziel darin, mich in der Gegend herum zu schleppen? Was soll sich dadurch an seinem Zustand verbessern? Wir verlangen vom Pferd Gehorsam, auch wenn ihm gerade nicht danach zu Mute ist. Haben wir also ein gemeinsames Ziel? Ganz sicher nicht!

Und damit tut sich eine tiefe Kluft auf zwischen der Welt der Pferde und der Welt der Menschen. Trotz aller Gemeinsamkeiten, wie z. B. der Fähigkeit Angst zu haben, Freunde zu brauchen, lernfähig und neugierig zu sein. Pferde und Menschen sind keine Partner! Um es ganz klar und auch etwas provokativ zu sagen, das Verhältnis von Mensch und Pferd ist das von Herr und Knecht. Ob einem das nun gefällt oder nicht. Und das stimmt auch dann, wenn wir uns einbilden, dass eigentlich wir die Knechte unserer Pferde sind. Denn wir können jederzeit aus unserer Rolle aussteigen, das Pferd kann es nicht.

Aber für uns erwächst daraus eine Verantwortung, die weiter geht, als nur für Futter und Unterkunft zu sorgen. Denn je mehr wir unseren „Knecht“ verstehen, seine Bedürfnisse begreifen, sie uns bewusst machen, umso harmonischer und befriedigender wird unsere Beziehung sein.

Man kann es drehen und wenden wie man will, Pferd und Mensch gehen zwar sehr wohl eine Beziehung ein, aber sicher keine Partnerschaft.

Und wie sieht das ein Pferd? Pferde sind Fluchttiere, leben in Herden mit hierarchischen Regeln, verteilten Aufgaben und individuellen Freundschaften und kommunizieren (hauptsächlich) über die Körpersprache. Das ist (vereinfacht) die Welt eines Pferdes. Können Pferde eigentlich über die Grenzen der eigenen Spezies hinaus Verhalten verstehen, es sich eventuell sogar aneignen? Verstehen uns Pferde?

Ich denke, so sehr Pferde unterscheiden können, was ein Pferd ist und was kein Pferd ist, so wenig können sie aus ihrer „Haut“ als Pferd ausbrechen. Sie werden die Welt immer vom Standpunkt eines Pferdes aus „betrachten“. Unsere menschlichen Vorstellungen dürften einem Pferd ziemlich egal sein.

Deshalb wird ein Mensch in den Dominanzbeziehungen eines Pferdes auch nie eine wesentliche Rolle spielen. Er passt nicht in das „Schema“ Pferdeherde. Aber ein Pferd wird einen Menschen sehr wohl nach Dominanzkriterien beurteilen. Es kann nicht anders. Und darin spielen Unter- und Überordnung eine wesentliche Rolle.

Und die Freundschaft? Pferde schließen Freundschaften auf Grund von individuellen pferdischen (!) Merkmalen und Besonderheiten Deshalb wird ein Mensch auch nie ein wirklicher Freund für ein Pferd sein – es hapert schon an der Kommunikation. Aber ein Pferd wird „Gesten der Freundschaft“ wohl verstehen, wenn sie auch so gemeint sind.
 
Wir sind keine Pferde und werden auch keine. Und die „Zweierherde Pferd/ Mensch“? Ganz einfach, es gibt sie nicht. Aber es gibt wohl Beziehung in der Gemeinschaft von Pferd und Mensch, die wesentlich durch unser Verhalten geprägt ist. Das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd und die daraus resultierende Beziehung ist die Basis für unser Verhältnis mit einem Pferd.

Es geht in der Beziehung von Mensch und Pferd um Unter- und Überordnung – also sollte man es auch so nennen. Ohne beschönigende Umschreibungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Ohne Vermenschlichung, wo es nichts zu vermenschlichen gibt.

Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass wir ein Pferd nicht dafür verantwortlich machen können, wie es sich verhält. Ob ein Pferd kooperativ ist oder nicht, lieg an uns. Und nur an uns. Genauso wie es an uns liegt, wenn ein Pferd uns z. B. zur Seite drängt oder beim Aufsteigen nicht stehen bleibt.

Wir alle wollen ein Pferd, das uns vertraut. Vertrauen ist der „Kitt“ für jede Beziehung – aber vertrauen wir unserem Pferd? Haben wir überhaupt den Mut, einem Pferd zu vertrauen? Wie steht es mit unserer Angst vor Kontrollverlust? Wie sehr beeinflusst unser Misstrauen die Zügelführung? Wie sehr nehmen wir unsere Zuflucht im Ziehen am Zügel (egal ob wir gebisslos oder mit Gebiss reiten) statt uns und unser Pferd zu schulen und auszubilden um erst gar nicht ziehen zu müssen.

Wieviel Eigenständigkeit und Freiheit billigen wir einem Pferd zu, wenn es von uns einen „Auftrag“ erhält und diesen ausführt? Wie sehr trauen wir uns unsere Hilfen auszusetzen, wenn ein Pferd unseren Wünschen nachkommt? Welchen Stellenwert nimmt in unserer Ausbildung die Förderung der Selbstständigkeit des Pferdes ein? Wohl wissend, dass es Freiheit ohne Spielregeln weder im Menschenreich noch im Pferdereich gibt.

Es wäre ja wirklich zu schön, gäbe es diese Partnerschaft, dieses „innere Verstehen“ von Mensch und Pferd. Aber ich bin sicher, es ist nichts weiter als ein Traum.
Bleiben wir lieber in der Realität: Arbeiten wir mit unserem Pferd! Aber so, dass es uns verstehen und damit auch vertrauen kann.
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