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Impulsion
Was heißt Impulsion | Körperliche und geistige Voraussetzungen | Wie wirkt die Impulsion auf ein Pferd | Die Impulsion des Reiters | Impulsion erarbeiten

Was heißt Impulsion

Den Begriff Impulsion, wie er in Frankreich, Italien und Spanien üblich ist, wird man in keinem deutschen Wörterbuch finden. Dafür gibt (gab?) es in anderen europäischen Sprachen keine Entsprechung für den deutschen (reiterlichen) Begriff Schwung. Und so wurde das spanische la impulsión, das englische impulsion und das französische l´impulsion der Einfachheit halber in der deutschen Sprache mit Schwung übersetzt. Aus „Antrieb, Anstoß, Stoß, Triebkraft“ wurde in der Übersetzung etwas ganz anderes, nämlich eine Gangcharakteristik. Denn nach der Definition in den Richtlinien geht ein Pferd dann schwungvoll, „wenn es energisch abfußt und in der Schwebephase mit seinen Gliedmaßen gut nach vorne durchschwingt." Der Begriff Schwung stellt also auf eine ausgeprägte Schwebephase ab, weshalb der Schritt (laut Definition in der Deutschen Reitlehre) keine schwungvolle Gangart ist, eben weil er keine Schwebephase hat.

Was bedeutet jetzt Impulsion? Impulsion meint die Fähigkeit und die Bereitschaft eines Pferdes, energisch und kraftvoll anzutreten oder sein Tempo zu erhöhen. Unabhängig von der Gangart und der Situation. Anders ausgedrückt: Impulsion betrifft weder das Tempo noch die Dauer der Bewegung, sondern die Qualität des Übergangs von einem Tempo in ein höheres, oder von einer Gangart in eine andere.Impulsion setzt die geistige Bereitschaft des Pferdes voraus, auf sanfte Anforderung seine ganze Kraft ohne jede Verzögerung voll einzusetzen.

Impulsion ist das Resultat der Ausbildung – nicht eine Charaktereigenschaft eines Pferdes! Auch ein eher träges Pferd kann impulsiv auf den Schenkel reagieren! Schwung dagegen setzt „Gang“ voraus. Ist also wesentlich das Ergebnis züchterischer Bemühungen.

Ohne Impulsion gibt es keine Leichtigkeit! Und das sagt schon viel über die Qualität des Antretens aus: kraftvoll und trotzdem unaufgeregt „fließend“, mit innerer Ruhe.

Körperliche und geistige Voraussetzungen

Keine Frage, ohne eine ausreichende Muskulatur kann kein Pferd kraftvoll antreten. Andererseits wird ein Pferd, das völlig relaxed vor sich hindöst, in diesem Zustand auch keine Impulsion zeigen. Unabhängig von seiner Muskulatur. Deshalb ist die Impulsion mehr eine „Geisteshaltung“ eines Pferdes, denn ein körperliches Vermögen.

Natürlich bedarf es eines entsprechenden Trainings. Das beginnt nicht erst vom Sattel aus, sondern fängt schon mit den ersten Führübungen an. Die Impulsion soll einem Pferd zur „Zweiten Natur“ werden. Dazu gehört auch, dass das Pferd bereit ist, sich ganz auf den Ausbilder einzulassen. Nicht nur hin und wieder sondern dauernd. Ohne dass man es durch halbe Paraden aufwecken müsste.

Was Impulsion für das Pferd bewirkt

 Impulsion setzt also eine „geistige Präsenz“, ein dauerndes Hinhören auf den Reiter voraus. Das allein schon wird die Grundspannung eines Pferdes etwas erhöhen. Damit ist keine Verspannung gemeint, sondern eine positive „Wohlspannung“. Die Muskulatur bleibt mit Beugern und Streckern im Gleichgewicht. Aber der Muskeltonus wird sich insgesamt etwas erhöhen. Das betrifft auch die Ringmuskulatur, die den Brustkorb zwischen den Schultern trägt und die eigentliche Problemzone des gerittenen Pferdes darstellt. Denn über diese muss ein Pferd die von der Hinterhand nach vorne geschobene Masse von Pferd und Reiter auffangen und abfedern.

Ein Pferd ist in der Bewegung ein „Schwingungsmechanismus“. Muskeln, Bänder, Faszien, selbst die Hufe speichern beim Auffußen Energie und geben sie beim Abfußen wieder ab. Ein Pferd rollt in der Bewegung deshalb auch nicht über die Zehe ab, sondern „federt“ mit dem ganzen Huf vom Boden. Je „träger“ sich ein Pferd bewegt, umso weniger kann es diesen Mechanismus benutzen und kommt mit der Zeit in einen Zustand, der vielfach als „Trageerschöpfung“ bezeichnet wird. Der Widerrist hebt sich nicht mehr an, die Ringmuskulatur verkümmert. Trapezmuskel und langer Rückenmuskel bilden sich zurück. Das Pferd schwingt nicht mehr und die Vorhand verliert die Fähigkeit zu tragen. Die natürliche Schiefe des gerittenen Pferdes verstärkt diesen Effekt.

Es geht aber nicht nur um Muskeln. Faszien sind sowohl an der Formgebung eines Körpers, aber auch an der Qualität der Bewegungen wesentlich beteiligt. Sie wirken über sympathische Nervenendigungen auf das vegetative Nervensystem; die Gesamtbeweglichkeit wird durch sie bestimmt. Psychischer Stress, Schonhaltungen und Bewegungsmangel verkürzen und verhärten sie. Damit begrenzen sie den Bewegungsspielraum der Muskulatur dauerhaft und schmerzhaft. Auch bei der Krafterzeugung spielen sie eine wesentliche Rolle, denn Faszien erzeugen und übertragen durch Dehnspannung Kräfte, die durch die Muskeln um ein Vielfaches verstärkt werden. Faszien haben weder einen Anfang noch ein Ende; alle Faszien stehen untereinander in Verbindung, sodass sie Spannungen und Unbeweglichkeiten in andere Körperteile übertragen können. Faszien sind also wirklich faszinierend, obwohl sie ind er Praxis wenig beachtet werden.

Was trainiert Faszien? (Zugegeben, das folgende Zitat habe ich aus der Anwendung an Menschen entnommen) „Die Übungen und Bewegungen des Faszientrainings sind also ein Mix aus schwingenden, federnden und fließenden Bewegungen. Mal langsam und mal schwungvoll“ (Quelle: Dr. Robert Schleipp in Spiegel Online). Allerdings sollte die Belastung relativ hoch sein, damit die Faszien aktiviert werden. Und die Bewegungen dürfen nie eintönig sein. Faszien dürfen „überrascht“ werden.

Und damit sind wir wieder bei der Impulsion, denn die Impulsion hat einen wesentlichen Anteil an der Gesunderhaltung unseres Pferdes. Anders ausgedrückt: Impulsion hält Kopf und Körper jung!

Die Impulsion des Reiters

Kann man sich ein impulsiv antretendes Pferd neben einem träge sich bewegenden Menschen vorstellen? Wohl kaum! Die Impulsion des Pferdes fängt beim Menschen an. Aber bitte daran denken: Es geht nicht um Aufgeregtheit, es geht nicht darum über ein Pferd „herzufallen“, es geht nicht um übereilte Bewegungen, es geht um ein kraftvolles Antreten in Gelassenheit mit einer positiven Grundspannung.

Impulsion erarbeiten

Das Trennen von vortreibenden und verhaltenden Hilfen ist die absolute Grundbedingung für die Arbeit an der Impulsion. Man kann das Pferd nicht auf der einen Seite auffordern kraftvoll anzutreten, es aber gleichzeitig über Führstrick, Longe oder Zügel wieder bremsen – es also für sein impulsives Antreten bestrafen. Unabhängig davon, dass so ein Verhalten auf Dauer in eine erlernte Hilflosigkeit führt: denn egal was das Pferd macht, es macht es falsch. Deshalb muss man zu Beginn in Kauf nehmen, dass das Pferd z. B. aus dem Halt heraus, statt wie gewünscht im Schritt, gleich im Trab antritt. Die Korrektur der korrekten Gangart kommt später!

Die Arbeit an der Impulsion fängt am Boden an. Schon im Führtraining lernt das Pferd „prompt“ anzutreten. Sowohl aus dem Halt in den Schritt, beim Übergang vom Schritt in den Trab und beim Antraben aus dem Halt. Dabei sorgt die Gerte dafür, dass das Pferd die gewünschte Impulsion zeigt. Die Gerte sollte dabei so eingesetzt werden, dass man damit den Bauch des Pferdes von unten nach oben touchiert. Sonst läuft man Gefahr, dass das Pferd lernt, der Gerte seitlich auszuweichen. Bereits jetzt soll ein Stimmkommando für das Antreten und die Gangart unterrichtet werden.
An der Longe setzt sich diese Arbeit fort. Jetzt kann das Pferd über Stimmkommandos zu bestimmten Gangarten und Tempi aufgefordert werden. Wenn nötig unterstützt die Longierpeitsche das Stimmkommando, indem der Longenführer den Schlag der leicht angehobenen Peitsche gegen die Fesseln des Pferdes fallen lässt.

Gleichzeitig wird das Einhalten verschiedener Tempi in allen Gangarten trainiert. Ein Pferd muss ein Tempo so lange aufrechterhalten, bis es vom Ausbilder einen anderen Auftrag erhält.

Unter dem Sattel unterstützt wiederum die Gerte die Bedeutung der Schenkel. Die Zügel werden dazu auf den Hals des Pferdes gelegt, damit der Reiter unter keinen Umständen daran ziehen kann. Mit einer Hand hält sich der Reiter an der Mähne fest, die andere Hand führt die Gerte. Auf einen Schenkelimpuls hin muss das Pferd sich prompt in Bewegung setzen. Tut es das nicht, bleibt der Schenkel angelegt und die Gerte unterstützt den Schenkelimpuls deutlich. Dann das Pferd weiter vorwärts schicken und (durch Einsatz der Gerte) nicht dulden, dass es von sich aus gleich wieder langsamer wird. Das Tempo so lange aufrechterhalten, das es weiß, dass sein Verhalten richtig war. Dann erst die Zügel wieder aufnehmen und (möglichst nur über den Sitz) das Pferd in den Halt parieren. Diese Übung auf beiden Händen wiederholen.

Achtung! Das Trainieren der Impulsion kann dazu führen, dass das Pferd sich zunächst nicht mehr so willig parieren lässt. Deshalb das Parieren erst einmal zurück stellen, um das Pferd nicht zu verwirren.

In welcher Gangart das Pferd auf den Schenkel-Gertenimpuls hin antritt, ist zunächst unwichtig – solange es nur impulsiv antritt.
In einem nächsten Schritt bleibt der Schenkel nach einem impulsiven Antreten in Kontakt mit dem Pferd, ohne den Druck zu erhöhen. Solange der Schenkel einwirkt, soll das Pferd ununterbrochen das Tempo (und die Gangart) erhöhen. Hört die Wirkung des Schenkels auf, soll es das Tempo und die Gangart ohne weitere Korrektur beibehalten.

Und wenn man das erarbeitet hat und nicht wieder gegen die Regeln verstößt, hat man ein Pferd, das aufmerksam und willig ist und das man weder mit Sitz noch mit Händen tragen muss, sondern dass sich wirklich selbst trägt.
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